Instandsetzung eines Dual C846

Kürzlich kam ein großes Paket von einem guten Freund bei mir an. Der Inhalt bestand aus einem Dual C846. Dieses Tapedeck – das letzte qualitativ hochwertige – von Dual fand den Weg über allseits bekannte Kleinanzeigen zu ihm. Der Zustand war für das Alter durchwachsen, aber nicht zu schlecht. Einschalten war möglich, viel mehr aber auch nicht. Der Kopfschlitten und die Andruckrollen bewegten sich nur sehr schwergängig und im Kassettenschacht befand sich noch ein Tape, welches eine innige Verbindung mit der rechten Andruckrolle eingegangen ist und sich deshalb nicht einfach entfernen ließ.

Zunächst wurde das Gerät geöffnet. Dies gestaltete sich sehr einfach, da die Gehäuseschrauben fehlten. Dies sprach zunächst dafür, dass sich schonmal jemand an einer Reparatur versucht hat. Dem war zum Glück nicht so. Innen wirkte das Gerät wie neu. Nichts verbastelt und in tadellosem Zustand. Die Riemen hatten ihre Laufzeit deutlich hinter sich und das Laufwerk war sehr verstaubt. Die verwendeten Fette zum schmieren von Laufwerksführungen sind mittlerweile verhärtet und verharzt. Dies dürfte auch der Hauptgrund dafür sein, dass der Kopfschlitten und die Andruckrollen kaum zur Mitarbeit zu bewegen waren. So wurde zunächst das Laufwerk ausgebaut und komplett zerlegt. Alles wurde intensiv mittels Iso und Wattestäbchen gereinigt. Auch die Lager der Capstane wurden gereinigt und neu mittels Sinterlageröl geschmiert. Die Andruckrollen und alle drei Riemen wurden getauscht. Auch das Idlergummi wurde gegen ein Neues ausgetauscht. Darüber hinaus wurden die Führungen des Laufwerkes neu gefettet und der Azimuth zuerst mittels Pegelmethode und danach zum Feinabgleich mittels Bezugsband und Lissajous-Figur auf dem Oszilloskop neu eingestellt. Besagter Freund und Besitzer des Tapedecks bat mich darum, das Gerät auf BASF Chrome- und Normalbänder einzumessen, da er überwiegend BASF Chrome Super und BASF Ferro nutzt. Während des Abgleiches stellte sich heraus, dass da nicht viel zu tun war. Dual hat seine Tapedecks standardmäßig auf BASF eingemessen und die Einstellungen saßen nach all den Jahren noch fast perfekt.

Ein Problem stellte sich bei den ersten Testläufen heraus. Man hört ein leichtes, aber deutliches Quietschen und Schnarren auf Höhe der Wickeldorne. Hielt man im Betrieb einen der Wickeldorne mit dem Finger an, waren die Geräusche weg. So wurde das Laufwerk noch einmal soweit zerlegt, dass die kleinen Wickelmotoren zugänglich waren und ausgebaut werden konnten. Das zerlegen der Motoren war sehr einfach. Die Metallgehäuse waren scheinbar verklebt worden und dieser Klebstoff war im Alter porös und trocken geworden. Dadurch ließen sich die Gehäuse leicht öffnen und die winzigen Lagerschalen danach gut reinigen und neu Ölen. Ein Tropfen reicht da schon mehr als genug. Nach dem Verschliessen der Gehäuse und dem fixieren mit einem Tropfen Sekundenkleber wurden die Motoren wieder eingebaut. Ein erster Test nach dieser Aktion zeigte, dass alle Geräusche komplett verschwunden sind.

Ein paar kleine Macken bleiben dem Gerät, die nach einer Grundreinigung des Gehäuses bleiben, aber die zu beheben sind. Die Schrauben um den Gehäusedeckel zu halten fehlen und müssen durch passende ersetzt werden. Das dürfte schnell zu machen sein. Darüber hinaus fehlen die Kappen für zwei Funktionsknöpfe (Wahltaste Ferrochrom und Geschwindigkeitswahl für 9,5 cm/s). Die Führungsstifte sind gebrochen und dabei wahrscheinlich im Laufe der Jahre die Kappen verloren gegangen. Dies ist für die grundsätzliche Funktion des Gerätes nicht weiter schlimm, doch wäre mittelfristig ein Ersatz der fehlenden Tasten wünschenswert. So gilt es nach einem Schlachtgerät Ausschau zu halten, um Ersatz zu bekommen.

Hier mal ein paar Bilder des Laufwerkes und des Gerätes von Innen:

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Der Aufbau ist klar und sauber. Das Laufwerk scheint eine Eigenentwicklung und kein Zukauf aus Fernost zu sein. Das Laufwerk ist sehr servicefreundlich und einfach aufgebaut. Dabei ist die Qualität aber solide und langlebig. Einzig der Kabelstrang, der das Laufwerk und die Köpfe mit dem Rest verbindet ist etwas sperrig.

Hier nochmal ein paar Bilder beim ersten Testlauf nach der Reparatur und dem Einmessen:

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2 thoughts on “Instandsetzung eines Dual C846

  1. Hallo,
    ein sehr schöner und gelungener Bericht. Hochachtung! Bitte verrate mir, wo man die Riemen noch bekommen kann, denn ich stehe vor der gleichen Laufwerksproblematik. Der Rücklauf schaltet sofort wieder ab, weil das Laufwerk zu schwer geht.
    Vielen Dank im voraus und viele Grüße
    Christian

    1. Hallo Christian,

      die Riemen bekommst du über eBay. Dort einfach mal nach “Dual C846 Service Kit” suchen. Dann findest du sechs verschiedene Riemen-Kits für das Dual. Such dir einfach aus, welches du brauchst. Der Händler ist sehr zuverlässig und liefert gute Riemen für sehr viele Tapedecks. Ich hatte da noch nie Probleme und habe schon oft dort bestellt. Einzig ein Idler-Gummi hat mal nicht gepasst. Das kann schonmal passieren, wie ich finde. Ich wünsche dir viel Spaß bei der Instandsetzung deines Dual. Wenn noch Fragen auftauchen, kannst du dich gern noch einmal melden.

      Grüße
      Sebastian

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