Ein Röhrenverstärker ist eingezogen

Seit einiger Zeit ist ein Röhrenverstärker Teil meiner Kette. Ich wollte schon lang einmal solch ein Gerät besitzen, doch hat sich nie ein Kauf ergeben, bzw. waren mir die Geräte für das Gebotene oft zu teuer. China und den globalisierten Handelswegen sei Dank, gibt es mittlerweile  durchaus brauchbare und sehr gute Geräte aus dem fernen Osten.

Ich kaufte mir einen Reisong A10. Das Gerät ist auch unter dem Namen Boyuu zu finden. Wenn man etwas sucht, wird man wahrscheinlich noch andere Namen finden. Das Gerät ist die neueste Revision. Unter anderem Namen und mit anderen Bauteilen findet man diesen Verstärker auch als Bausatz, mit kleineren Übertragern, anderem und schwächerem Transformator und billigeren Bauteilen im Inneren. Ich habe mich für ein Fertiggerät im Chromgehäuse entschieden, dessen Übertrager von sehr guter und schwerer Qualität sind und dessen Trafo nicht auf Kante berechnet ist, sondern Potential für ein paar Experimente lässt.

Die Bauteilqualität und der Aufbau ist sehr gut. Die Schaltung ist keine Erfindung aus China, sondern eine alte und erprobte Schaltung, die seit Jahrzehnten so in Röhrenverstärkern zu finden ist. Es ist eine sehr einfache Eintakt-Verstärkerschaltung, die etwa 5-8 Watt liefert. Der Hersteller gibt etwas mehr an, doch entspricht das nicht den Messungen. Die Einfachheit ist keineswegs ein Nachteil, sondern spricht für Funktionalität und Stabilität.

Als Röhren kamen billige China EL-34 als Endröhren zum Einsatz. Als Gleichrichter fungierte eine russische 6z4 und in der Vorverstärkung war pro Kanal eine 6n2 verbaut.

Ich habe nur wenige Änderungen an dem Gerät vorgenommen, die jedoch einen merklichen, klanglichen Zuwachs brachten. Das Lautstärkepoti habe ich gegen ein bewährtes blaues ALPS RK-27 ersetzt. Die Endröhren habe ich gegen EL-34 von RSD ersetzt. RSD ist eine Deutsche Marke, die z.B. für AEG, Siemens und Telefunken Röhren gefertigt und gelabelt hat. Dies ist nicht ungewöhnlich und wurde schon immer und von vielen Marken so gemacht. Wer im Netz auf Berichte von großartigen Telefunken EL-34 trifft und gern so eine gehypte Röhre probieren möchte, sollte mal die Teile von RSD ausprobieren. Eventuell hält er dann genau solch eine Röhre in Händen. Die Form, bis hin zum schmalen Glaskolben sind identisch. Als Gleichrichter verwende ich eine RCA 5v4G aus alter Produktion. In den Vorstufen kommen neue JJ ECC83S Goldpin zum Einsatz. Sie ist eine Spanngitterversion der bekannten ECC83 und nahezu baugleich mit der Telefunken Ecc803S. Schließlich wurde diese Röhre auch auf den alten Telefunkenmaschinen gebaut. Der Vorteil der Spanngittertechnik ist die höhere Unempfindlichkeit gegen Mikrophonie. Von den Daten entspricht diese Röhre einer ECC83. Die Schaltung musste ich ein wenig auf die verwendeten Röhren anpassen, aber das ließ sich durch das Ändern von ein paar Widerständen schnell bewerkstelligen. Dann stimmten die Arbeitspunkte wieder.

Allen Tuberollern, die gern und viel die Röhren ihrer Verstärker tauschen, um den bestmöglichen Klang zu finden, sei davon Abgeraten wild und ohne Kenntnis vorzugehen. Nur, weil Röhren in den Sockel passen, ähnliche Werte haben und die Geräte weiter funktionieren, heißt es noch lange nicht, dass die Schaltung noch richtig läuft, wie sie berechnet ist. Arbeitspunkte verschieben sich, Bauteile laufen eventuell außerhalb ihrer Toleranz usw. Klar klingt das anderes und subjektiv vielleicht sogar besser, aber gut geht anders. Der Verstärker bleibt auf jeden Fall, wie er ist. Er läuft ohne Probleme und klingt sehr fein. Sogar der Bass ist straff und tief. Das ist oft ein Problem bei Röhrenverstärkern mit ihren geringen Dämpfungsfaktoren, was den Ausgangsübertragern geschuldet ist. In diesem Fall spricht dies auf jeden Fall für die Qualität der Übertrager.

Die Leistung reicht vollkommen, um meinen Diven zu atemberaubenden Lautstärken zu verhelfen. Auch meine Dynaudios laufen. Doch klanglich passen sie nicht gut zusammen. Experimente mit einer Gegenkopplung (das Gerät hat als Standard keine Gegenkopplung) haben gezeigt, dass die Dynaudios mit GK besser laufen. An den Diven klingt es ohne wesentlich schöner.

Der vorhandene Marantz 2230 leistet übrigens als Vorverstärker sehr gute Dienste. Er bleibt weiterhin fester Bestandteil meiner Kette.

Hier wie üblich ein paar Eindrücke des Reisong. Zugegeben, mit dem Namen kann man nicht angeben. Mit dem Klang des Gerätes aber schon!

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