Besuch der Norddeutschen Hifitage 2016

Am 06.02. stand ein kleiner Besuch bei den Norddeutschen Hifitagen auf dem Programm. Zusammen mit einem Freund, der mich auch im letzten Jahr schon begleitete, begaben wir uns gespannt in das Holiday Inn in Hamburg. Um es gleich vorwegzunehmen: das wird vorerst unser letzter Besuch gewesen sein.

Insgesamt war etwas weniger los, als noch im letzten Jahr. Dies machte zunächst die Gesamtatmosphäre etwas angenehmer. Ein Problem, was wir als störend empfunden haben, war das Publikum mit den großen Portemonnaies. Diese traten noch gehäufter, als im letzten Jahr auf und in der eigenen Wahrnehmung geht es dort nicht um die Musik, sondern darum sich ein Statussymbol in die Wohnung zu stellen. In einer der letzten LP – Ausgaben beschrieb Herr Barske schon, dass der niedrigpreisige Stereo-Markt im Prinzip tot sei. Damit hat er wohl leider recht und dies zeichnete sich schon länger ab. Heute wird gestreamt, Wiedergabegeräte sind klein, effizient und mobil und es wird versucht aus immer kleineren und schön designten Komponenten immer mehr Klang herauszuholen. Dies gelingt für meine Ohren zum Beispiel der Firma Sonos sehr gut, doch ist es nicht die Art von Geräten, für die ich diesem Hobby nachgehe. Zurück zur Messe. Es ist garnicht das Problem, dass auf der Messe – in der Folge des gerade Beschriebenen – überwiegend teure Geräte zu sehen und hören waren. Das Problem ist das dazugehörige Publikum. Mein Eindruck war, dass die Leute mit dem Interesse für die Technik und dem Interesse an der Musik in der Minderzahl waren. Nun gut, das mag die eigene Wahrnehmung sein und ist eventuell auch vorhandenen Vorurteilen geschuldet, deshalb will ich das nicht zu hoch hängen.
Was mich noch gestört hat, war der grundsätzliche Auftritt der Messe. Es gab nur wenige neue Produkte. Die Hersteller zeigten oftmals dieselben Sachen in derselben optischen Darbietung, wie schon im Vorjahr. Teilweise fand man die Geräte an der Stelle wieder, wo sie im Gedächtnis schon letztes Jahr standen. Die Musikauswahl wird immer uniformer. Man hört immer wieder Frau Bremnes, Krall oder wie sie sonst heißen. Jazz und Klassik sind beliebt, doch spiegelt dies sicher nicht die Musikauswahl wieder, die von der breiten Maße zuhause gehört wird. Es gibt vereinzelt durchaus die Möglichkeit mal eine eigene CD abzuspielen oder einen Musikwunsch zu äußern, doch sind das Ausnahmen. Darüber hinaus ist die Akustik im Holiday Inn erwartungsgemäß schwierig. Statt aber untereinander etwas Rücksicht bei den Vorführungen walten zu lassen, übertreiben es einige Hersteller mit der Lautstärke. Dies führt bei den Nachbarn dazu, dass von der eigentlichen Musik nichts zu hören ist, außer dem Rattern der Einbauschränke. Da sollte man von Seiten der Veranstalter klare Regeln aussprechen oder die Hersteller anders verteilen, um solche Probleme zumindest zu minimieren.
Mir waren die Hersteller fast lieber, die in Bezug auf die Akustik keine Vorführung veranstalteten, sondern ihre Geräte ausstellten und in Vorträgen erklärten. Zudem ist es immer einfach die Lautstärke aufzudrehen und auf den tollen Klang zu verweisen. Je lauter die Musik, desto unempfindlicher das menschliche Ohr. Gerade eine leise Vorführung erhöht aber nicht nur die Aufmerksamkeit der Besucher, sondern läßt eher erahnen, ob das Gezeigte auch mal etwas für die eigenen vier Wände wäre.

Zum Schluss nochmal etwas zu zwei interessanten Darbietungen der Hifitage. Technics stellte seine aktuellen Komponenten inklusive des SL-1200 aus. Nach bekunden des Vorführers das einzig lauffähige Modell außerhalb Japans. Der Dreher an sich haut mich keineswegs vom Hocker. Er ist definitiv solide und außerordentlich wertig gebaut. Doch frage ich mich, wer stellt sich einen etwa 4000€ teuren Plattenspieler ins Wohnzimmer, der immernoch den optischen Anmut eines DJ-Drehers hat. Zumal es für diesen Preis durchaus interessantere Spieler geben dürfte. Die anderen Komponenten waren durchweg sehr gut. Die Coaxlautsprecher zur Wiedergabe der vom SL-1200 mithilfe eines Ortofon 2M BLACK abgetasteten Musik klangen für meinen Geschmack aber etwas flach und langweilig. Hier mal eine kleine Impression aus der Praxis.

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Angesprochen haben mich die Produkte von Rosita. Klar, die Optik ist Geschmackssache, aber auch die Raumgestaltung hat mir durch die abgedunkelte und warme Atmosphäre sehr gut gefallen. Klanglich waren die Lautsprecher sehr dynamisch, eher frisch abgestimmt und spannten einen sehr weiten Raum auf. Zu hören waren Kari Bremnes – Reise und Harry Belafonte – A hole in the Bucket. Hier mal ein Bild vom Ensemble:

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P.S.: Eine kleine, aber wichtige Ergänzung zum Besuch der diesjährigen Hifitage gibt es noch! Die Präsentation von KEF war musikalisch, wie menschlich ziemlich großartig. Der Presentator war ein netter Kerl, der seine Vorführung mit allerlei interessanten Anekdoten schmückte. Die Lautsprecher von KEF – gezeigt wurden die LS-50 und die Reference 3 – sind in vielerlei Hinsicht sehr gute Lautsprecher, die beim Hören eine Menge Spaß bereitet haben. Ein rundum gelungener Auftritt der englischen Marke!

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