Tunerbesuch – Grundig ST-6500

Allgemein Feb 10, 2016 No Comments

Seit Kurzem ist ein Grundig-Tuner ST-6500 bei mir zu Besuch. Wahrscheinlich darf er auch bleiben. Zumindest behalte ich ihn solange, bis mal für einen vernünftigen Preis ein Revox B760 zu mir findet. Warum eigentlich heute noch einen Radioempfänger? Nun ja, in den Abendstunden und vor dem Schlafen höre ich gern noch etwas Radio. Regelmäßig höre ich mir Reportagen oder Interviews auf Deutschlandfunk oder NDR Info an, höre etwas Jazz auf NDR Kultur oder genieße etwas Klassik z.B. vom Klassik Radio.

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Nun habe ich ja einen Marantz 2230 als festes Bindeglied meiner Komponenten. Dies ist ein amerikanischer Receiver aus der zweiten Hälfte der 1970er Jahre (in meinem Fall von 1976). Das Radioteil funktioniert super und empfängt ordentlich. Doch selbst nach einem Abgleich bin ich nicht in der Lage Klassik Radio mit ihm zu empfangen. Auch andere gern gehörte Sender empfange ich oft nicht ohne Rauschen. Dazu sei gesagt, dass ich nur mit einer einfachen Wurfantenne höre und mir auch keine selbstgebauten Lambda/2- oder Sonstwas-Antennen ins Zimmer hängen möchte. Da ich auch nicht davon ausgehe, dass der UKW-Rundfunk in absehbarer Zeit eingestellt wird, obwohl von politischer Seite und durch die Hersteller der DAB(2)-Empfänger eben jenes Abschalten gewünscht und angestrebt wird. Ich halte diese Politik für verfehlt. Nicht etwa, weil UKW nun die Beste aller Übertragungstechniken sei. Vielmehr ist der klassische Rundfunk – und dazu zählt Mittelwelle aufgrund der Reichweite eigentlich noch viel mehr – zu den wichtigsten Nachrichtenkanälen in Notsituationen und Krisenzeiten gehört. Digitale Technik ist viel leichter angreifbar, als traditioneller Rundfunk. Oft wurde beispielsweise in Zusammenhang mit dem sog. Arabischen Frühling gesagt, dass soziale Netzwerke das Kommunikationsmittel der Koordination und des Protestes waren. Dies mag für den Anfang noch stimmen, doch diese Kanäle wurden schnell abgeschaltet und durch Funk und Radio ersetzt, da dies schwerer zu unterbinden ist und die Reichweite hoch ist. Genug des kleinen Exkurses und zurück zum Grundig.

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Wie zu Anfang erwähnt besitze ich einen amerikanischen Receiver, dessen Radioteil für die dortigen Verhältnisse konzipiert ist. Die Sendeverhältnisse in Amerika sind aber grundsätzlich anders, als in Europa. Es gibt nur wenige starke Sender mit hoher Reichweite. Stattdessen gibt es in jedem größeren Ort ein bis zwei Lokalsender. Das heißt die Empfangsteile brauchen nicht sonderlich empfindlich oder Trennscharf zu sein. In Europa stellt sich die Situation ganz anders dar. Vielerorts gibt es sich überlagernde, starke Sender. Das Frequenzband ist auch heute noch recht eng belegt. Ein Tuner muss hier wesentlich empfindlicher und trennschärfer sein. So bleiben für die Wahl eines brauchbaren Tuners neben wenigen japanischen Modellen (z.B. aus dem Hause Kenwood) nur Geräte aus deutscher oder schweizer Produktion übrig. Diese sind auf die hiesigen Empfangsverhältnisse hin konzipiert. So führte mich der Weg zu einem Grundig ST-6500.

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Der Tuner war bei Eintreffen nur etwas verdreckt, aber voll funktionsfähig. Der Abgleich stimmte noch und der Empfang, als auch der Klang waren voll zufriedenstellend. Alle von mir gehörten Sender werden mit einer Wurfantenne problemlos und rauschfrei zu empfangen. Die Empfangssituation ist mäßig, da in enger Bebauung und mitten in der Stadt von Hannover. Ein Problem haben diese Grundiggeräte häufig. Im Netzteil sitzen zur Bauzeit schon veraltete Selengleichrichter, die im Alter sehr gern folgenschwere Defekte verursachen. Ein Problem diese Gleichrichter zu tauschen ist es aber nicht. Nach 10 Minuten Arbeit war die Angelegenheit erledigt und der alte Gleichrichter ersetzt. Nach einer gründlichen Reinigung sieht der Grundig wieder aus wie neu und hat so gut, wie keine Macken. Ich bin damit absolut zufrieden, bis… ja bis einmal ein Revox B760 den Grundig ersetzen wird.

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SGleicher

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