Spotify Premium vs. WIMP HiFi – Ein kleiner Vergleich

Allgemein Jul 13, 2014 No Comments

Ich nutze schon seit längerer Zeit nicht nur CDs, LPs, Tapes und das Radio als musikalische Quellen. Früher diente der Rechner eher nebenbei als Unterhaltungsgerät und steuerte gefällige Playlisten als Hintergrundbeschallung bei. Mittlerweile nutze ich regelmäßig und als ernstzunehmende Ergänzung der herkömmlichen Quellen das Streamingangebot von Spotify. Das Frontend gerade der neuesten Version des Clients gefällt mir sehr gut und das Finden neuer Musik geht leicht von der Hand. Das Interface ist übersichtlich und auch Playlisten von Plattformen, wie Decca oder dem RollingStone werden zum Einbinden angeboten. Das gefällt und macht Spaß. Nun aber zu etwas Wichtigem: der Klangqualität. Meine alte MP3-Sammlung, die eher zur Hintergrundbeschallung diente, war durchgängig mit 128kbit als MP3 komprimiert. In den Anfängen der MP3 hieß es, das sei schon vergleichbar mit der Qualität einer CD. Für mich klang das immernoch etwas blechern, künstlich, unschön. Später gekaufte Alben über iTunes, die per AAC komprimiert waren, hatten für mein Klangempfinden schon eine wesentlich bessere Qualität. Später selbsterstellte MP3s mit 192kbit und mehr brachten wieder ein gutes Stück mehr Klang, erreichten für mich aber nicht die Qualität der AAC-Files aus dem iTunes-Store. Einen richtigen Qualitätssprung brachte dann der Wechsel zu Spotify Premium. Man zahlt knappe 10€ pro Monat und bekommt von Spotify eine scheinbar unbegrenzte Menge an Musik verschiedenster Stile in sehr guter Qualität als 320kbit OGG-Vorbis geliefert.

Was steckt eigentlich hinter MP3, AAC und OGG? Alle drei Formate versuchen Musik unter Verlust von Informationen zu komprimieren und so z.B. für die mobile Nutzung oder das Streaming zu optimieren, um Datenmengen einzusparen. Vergleicht man beispielsweise die Datenmenge einer Audio-CD mit derselben Tracklist als 196kbit-MP3 so ist die komprimierte Datenmenge nur etwa 1/7 so groß. Geht das MP3-Format auf die 90er-Jahre zurück, wobei die Entwicklung schon Anfang der 80er begann, so sind die Formate AAC und OGG-Vorbis wesentlich jünger. AAC wurde als Nachfolger für die in die Jahre gekommene MP3 gewählt. OGG ist eine OpenSource-Entwicklung, als freier Gegenpart zu

den proprietären Formaten. Die Komplexität der Komprimierung ist bei AAC geringer, als bei MP3s und ermöglicht bei gleicher Datenrate wesentlich bessere Qualität. Zudem ermöglicht AAC mehrkanalige Encodierung, was MP3 von Haus aus nicht unterstützte. OGG selbst ist ein sog. Containerformat, dass sich nicht nur auf die Komprimierung von Audio, sondern auch Video und Text versteht. Die spezielle Komprimierungsvariante, um die es hier im Besonderen geht, nennt sich OGG-Vorbis, wobei Vorbis den eigentlichen Audiokompressor bezeichnet. Die Dateiengrößen von Vorbis liegen in etwa auf dem Niveau von MP3, sind im Schnitt aber etwas kleiner. Die Verbreitung von OGG im Softwareumfeld und bei Hardwareherstellern ist groß und dieses Komprimierungsverfahren kann mittlerweile als etabliert angesehen werden. Die Verbreitung im privaten Umfeld ist im Vergleich zu anderen Komprimierungsmethoden jedoch deutlich kleiner.

Im direkten Vergleich emfpinde ich die Qualität von OGG-Vorbis als sehr angenehm. Mir fehlen keine Details und das Klangbild ist wesentlich offener und lebendiger, als zum Beispiel bei MP3s. Deshalb bin ich nach einem ersten Ausprobieren von verschiedenen Plattformen schlussendlich bei Spotify gelandet. Letztens kam mir jedoch die Idee einmal WIMP auszuprobieren. Dies ist ein Streaminganbieter, wie andere auch, hat sich aber mit seinem Angebot WIMP-HiFi das Ziel gesetzt, Musikliebhaber mit unkomprimierter Musik per Stream zu versorgen. Also schnell einen HiFi-Probeaccount erstellt und den nötigen Client heruntergeladen. Das erste, was mit auffällt, ist das für mein Empfinden furchtbare Design. Dies spielt in Bezug auf die Klangqualität natürlich keine Rolle und sollte auch beim Kauf von Geräten eigentlich keine spielen, aber mal ganz ehrlich: das Auge hört mit. Nicht nur bei HiFi-Geräten, sondern auch bei Software, Autos, Smartphones und anderen Alltagsgegenständen spielt immer auch das Design eine Rolle für das Rundum-Sorglos-Gefühl.

Hier sieht man den Spotify-Client:

Spotify_Window

Durch seine dunkle Farbe ist es für das Auge weniger anstrengend sich zu orientieren, die Oberfläche ist aufgeräumt und übersichtlich. Dagegen sieht man hier das Design des Wimp-Clients:

WIMP_Window

Ganz abgesehen davon, das einige Alben, die bei Spotify frei verfügbar sind, bei WIMP nur gekauft werden, aber nicht einfach gestreamt werden können, erscheint mir die Oberfläche weniger aufgeräumt. Die Navigation auf der linken Seite ist mit mehreren Ebenen zu komplex, die Schriftart ist zu fein und wirkt auf einem Non-Retina-Display pixelig, die Bedienelemente erscheinen in anderer Farbe am unteren Rand des Fensters und nehmen dort viel Platz ein.

In der Optik bekommt Wimp bei mir schon mal einen Punkt abgezogen. Nun aber zur Klangqualität. Ich habe mehrere Alben, die ich gut kenne genutzt und mir einen Abend Zeit gelassen, um einen klanglichen Unterschied zwischen den beiden Streaminganbietern zu finden. Dazu gesellte sich ein wenig guten Rotweines um die entspannte Laune zu fördern.

Folgende Alben dienten als Vergleichsmaterial:

 

  • David Crosby – Croz
  • Dire Straits – Brothers in Arms
  • Jennifer Warnes – The Hunter
  • Marla Glen – This is Marla Glen
  • Paul Simon – Graceland
  • Colosseum – Live 05
  • Pink Floyd – Dark Side of the Moon

 

Nach mehreren Stunden mit Pausen, um die Ohren nicht zu überfordern, Leisem und Lautem hören muss ich sagen, dass ich keinen nennenswerten Unterschied zwischen Spotify Premium und dem WIMP-HiFi Angebot höre. Dies ist wörtlich zu nehmen. Mit viel Interpretation und gutem Willen hört sich der Lossless-Stream von WIMP minimal offener an. Insgesamt betrachtet rechtfertigt sich der Preis von 19,99€ im Vergleich zum gerade mal halb so teuren Spotify Premium in keiner Weise. Auf dem Papier und in der Theorie ist die unkompromierte Lossless-Technik jeder Kompression natürlich überlegen. Nun kommt aber noch das menschliche Gehör und die heimische Wiedergabekette hinzu. Noch schnell die Raummoden des heimischen Hörzimmers berücksichtigen und das in Korrelation zum Alter des Probanden setzen und schon relativiert sich die Theorie wieder. Natürlich ist dieser Eindruck subjektiv und sind geringe Unterschiede in Nuancen wahrnehmbar, doch habe ich beschlossen WIMP keine weitere Beachtung zu schenken und erst einmal bei Spotify zu bleiben. Ich nutze diesen Weg ohnehin nur nebenbei zum ausprobieren und entdecken neuer Musik, insofern halte ich das Angebot von WIMP nicht für nötig. Selbst wenn mir ein Album einmal gut gefällt und ich es mir in Ruhe anhöre, so ist die Qualität des Spotify-Vorbis-Streams so hoch, dass ich nichts vermisse und zufrieden hören kann.

Ich werde jedoch in Zukunft noch einmal auf WIMP zurückkommen. Momentan gelangt das Musiksignal auf analogem Weg vom Macbook Pro in den Marantz 2230. Ich plane jedoch mittelfristig einen DAC selbst zu bauen und mache mir da schon konkrete Gedanken. Dann plane ich das Signal digital vom Laptop in den Wandler zu führen und diesem die Wandlung ins Analoge zu überlassen. Eventuell bringt dieses Vorgehen deutlichere Unterschiede an den Tag und ich entscheide mich noch einmal um. Bis dahin fände ich es gut, wenn WIMP noch etwas an seiner Oberfläche arbeitet…die Sache mit der Optik und dem Wohlfühlpaket.

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SGleicher

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