Erweiterung des Tunersortimentes – Kenwood KT-1100SD

Allgemein Jan 28, 2017 No Comments

Gelegenheitsbesucher dieser Seite werden merken, dass ich einen Faible für Tuner habe. In den späten Abendstunden höre ich gern mal Radio. Zu später Zeit ändert sich das Programm und man hört z.B. Musikreportagen, ganze Konzerte oder Dokumentation, die am Tag niemand hören könnte und möchte (Ausnahmen möglich).
Die Empfangssituation ist in einem Altbau mitten in einer Großstadt bei enger Bebauung nicht immer einfach. Zudem muss ein Tuner in diesen Verhältnissen mit einer einfachen Wurfantenne auskommen. So suche ich nicht nur nach optisch und technisch interessanten Geräten, sondern nach solchen mit hoher Empfindlichkeit und gutem Empfang unter widrigen Verhältnissen. In vielen Foren liest man immer wieder, dass Drehko-Tuner hier Vorteile gegenüber moderneren Digitaltunern hätten. Nach der jüngsten Erfahrung kann ich diese Aussagen nicht mehr nachvollziehen.

Durch einen Zufall bin ich sehr günstig an einen Kenwood KT-1100SD gekommen. Er ist nicht zu verwechseln mit den älteren Spitzentunern KT-1100. Letzterer war noch rein analog, wohingegen sein hier beschriebener Nachfahre schon mittels PLL die Sender abstimmt und ein wahres Grab hochintegrierter Bausteine darstellt. Gebaut wurde dieser Tuner 1985-86 und war das größte Modell im Angebot von Kenwood. Der damalige Verkaufspreis lag bei etwa 1300DM.

Das Gerät ist sehr aufwendig konstruiert. Im Frontend wird großer Aufwand betrieben. Darauf folgen 6 ZF-Stufen und eine mehrstufige Aufarbeitung des Signals. Dies lässt gute Ergebnisse erhoffen. Doch vorher muss das Gerät erstmal auf den Tisch. Leider funktioniert der Tuner nicht. Das Display zeigt, was es möchte und die meisten Tasten reagieren nicht auf Eingaben. Darüber hinaus ist am Ausgang nur der Kalibrierton zu hören. Also erstmal auf Fehlersuche gehen.

Der KT-1100SD von innen

Schnell zeigte sich, dass eine komplette Spannung im Netzteil fehlte. Einige Transistoren waren defekt und zwei Elkos ergoßen ihr Elektrolyt über die Platine. Nach wechseln der Teile und vorsorglichem Trennen der Netzteilplatine vom Rest der Schaltung waren alle Spannungen wieder da. Doch was hat zu diesem Defekt geführt? Nach etwas Suche mit dem Oszilloskop schien der Quartz, der den Mikroprozessor für die Steuerung des Tuners mit einem präzisen Takt versorgt, nicht zu funktionieren. In direkter Nachbarschaft fand sich ein 2SA733 der defekt war. Ein weiterer Elko hatte einen Schluss. Nach Tausch dieser Teile war das Problem behoben. Der Tuner funktionierte wieder, wie er soll. Eingaben mittels Tasten waren wieder möglich, ebenso alle anderen Funktionen. Zum Schluss der Arbeiten stand ein Abgleich nach Schaltbild an. Es stellte sich heraus, dass fast alle Werte exakt den Werten im Service-Manual entsprachen. Das hatte ich bisher bei kaum einem Gerät. Es war also nicht viel zu tun.

Hier mal ein paar Bilder vom Inneren des Gerätes:

Das Netzteil

Oben die ZF-Stufen und unten die weitere Signalverarbeitung

Die Displayansteuerung. Auch hier gab es noch ein kleines Problem, was nach Tauschen dreier Transistoren beseitig war.

Das Frontend

Der Tuner zeigt beste Empfindlichkeit und Empfangseigenschaften unter den genannten Bedingungen. Obwohl alle anderen Geräte in meinem Besitz (Grundig ST-6500, Wega Modul 301T und Marantz 2230) keine schlechten Empfangsteile besitzen, ist der Kenwood doch das mit Abstand beste Gerät. Er empfängt sowohl im Nahbereich, als auch in der Ferne deutlich mehr Sender in sehr guter Qualität, wo die anderen Geräte nur Rauschen produzieren und nichts empfangen. Durch seine regelbare ZF und die umschaltbare Empfindlichkeit (in Autoradios oft mit DX bezeichnet) lässt sich der Tuner an verschiedene Erfordernisse anpassen. Der darf bleiben und ist zunächst mal der Standard in der hiesigen Kette. Wenn ich seinen Urahn den Kenwood KT-1100 einmal in schwarz zu einem guten Preis bekommen sollte, dann gibt es den nächsten Shootout.

Kleine Spielerei: Die Modulationsanzeige zuckt im Takt des Signals und ist so eine Art Aussteuerungsanzeige. Sie lässt sich allerdings abstellen.

Der Tuner hat einen Frontausgang mit fixem Pegel. Hinten finden sich ein variabler Ausgang und ein Multiplexausgang, um z.B. ein Oszilloskop anzuschließen.

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