Ein Jugendtraum geht in Erfüllung – Ein Revox B710 MKI ist eingetroffen

Allgemein Mrz 10, 2015 No Comments

Vor kurzer Zeit fand ein Revox B710 – Tapedeck seinen Weg zu mir. Gekauft habe ich es bei einem alten Sammler, der sogar so nett war und mir das Gerät nach Hause brachte. Seine erste Frage war, was ich mit dem Tapedeck vorhabe. Als ich ihm erzählte, dass dieses Tapedeck schon immer ein Jugendtraum von mir war, musste er schmunzeln und erzählte die Geschichte seines Gerätes. Auch er war auf diesem Weg und aus diesem Grund an das Revox gekommen.

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Das Gerät an sich machte einen guten Eindruck, sah allerdings so aus, als sei es lang nicht benutzt worden. Alle Funktionen gingen auf den ersten Blick. Das Nextel-Gehäuse war jedoch arg mitgenommen und klebte. Das ist für Revoxe mit dieser Lackierung aber nicht ungewöhnlich. Man kann die Gehäuseteile allerdings recht problemlos neu lackieren lassen. Ich werde es erstmal bei einer Grundreinigung mit Seifenlauge belassen und bei Gelegenheit das Gehäuse selbst neu lackieren. Der Aufwand dafür hält sich in Grenzen und das passende Revox-Grau (RAL 7024) kann man sich mischen lassen.

Bei ein paar Tests zeigte sich, dass beim Abspielen das Band geknittert wird und der Gleichlauf leidet. Zudem war die Aufnahmelautstärke nicht kanalgleich und das Tape war von innen mit einer dicken Staubschicht versehen. Der Aufbau des Gerätes wirkt auf den ersten Blick komplex. Jede Baugruppe sitzt auf einer eigenen Platine, die auf ein Connection-Board gesteckt sind. Die Kabelverbindungen sind mittels solider Steckverbinder gelöst. Das Laufwerk, welches aus einem Gussblock besteht und vier Motoren besitzt, ist mittels vier Schrauben mit dem Gehäuse verbunden. Insgesamt macht dies eine Reparatur sehr servicefreundlich. Zum Messen und Abgleichen gibt es Erweiterungsplatinen, die zwischen einzelne Baugruppen und das Trägerboard gesteckt werden. So ragen die Platinen aus dem Gehäuse heraus und sind von allen Seiten bequem zugänglich.

Zunächst habe ich im Netzteil und auf den relevanten Aufnahme- und Wiedergabeplatinen die Elkos und Tantalkondensatoren auf ihre Werte überprüft. Es stellte sich heraus, dass die Berichte aus verschiedenen Foren der Wahrheit entsprechen und viele Kondensatoren weit außerhalb ihrer Nennwerte waren. Die verbauten Philips-Elkos und Tantalperlen scheinen nicht gerade aus guten Produktionsmargen zu stammen. So wurden die betroffenen Bauteile durch Neue ersetzt. Vorher wurde das Gehäuse allerdings komplett zerlegt und einer gründlichen Reinigung unterzogen. Seitenwände, Deckel und Frontplatte wurden dabei wie immer mit Spüliwasser gereinigt. Die Platinen und der Rest wurden zunächst mit einem Pinsel von grobem Staub befreit und daraufhin mit Kontakt WL gespült. Danach alles mittels Wattestäbchen und Küchenkrepp trocknen. Den Rest besorgt die Luft.

Nach der Reinigung wurden die Bauteile getauscht. Dabei musste auch noch ein Poti auf der Microprozessorplatine getauscht werden. Der Schleifer saß lose und fiel bei genauerer Betrachtung einfach ab. Sonst schien soweit alles in Ordnung zu sein. Die Andruckrollen mussten getauscht werden. Die Alten waren glänzend und hart geworden. Originalersatzteile sind problemlos bei Revox direkt zu beziehen. Riemen gibt es keine zu tauschen, da alles im Laufwerk direkt angetrieben wird. Dies wird mittels zweier Motoren für die Bandwickel und zweier Motoren für die Capstanwellen bewerkstelligt. Der Vorbesitzer sagte mir, dass das Laufwerk schon einmal beim Service war. Das ist erstmal ziemlich gut, denn dann ist davon auszugehen, dass die Lager der Capstane noch in Ordnung sind. Erkennbar ist der Servicebesuch bei Revox auch daran, dass die rechte Welle mattiert ist. Dies war bei den ersten MKI-Laufwerken noch nicht der Fall. Dort waren beide Wellen poliert. Dies ergab jedoch Probleme beim Bandzug, weshalb Revox im Rahmen eines Services die rechte Welle gegen eine mattierte tauschte.

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Nach ersten Tests noch vor dem Abgleich wurde das Band nicht mehr geknittert, der Gleichlauf lies aber immernoch etwas zu wünschen übrig. Die Spannung der Motortreiber der Capstanwellen zeigte deutliche Spitzen auf dem Oszilloskop und schien unsauber. Ein Tausch der gut verfügbaren BD135-16 gegen Neue brachte den gewünschten Erfolg. Die Spannung war wieder sauber und der Gleichlauf optimal. Nun ging es an den Abgleich des Bias und der Aufnahmesektion. Es stellte sich heraus, dass die einfachen, ungekapselten Trimmpotis nicht mehr sonderlich präzise einzustellen waren. So ersetzte ich alle gegen gekapselte Typen von Piher. Daraufhin war ein Abgleich kein Problem mehr. Nach weiteren sechs Stunden, die dieser Abgleich und eine Überprüfung der Frequenzgänge für die einzelnen Bandsorten in Anspruch genommen hat, wurde es Zeit für einen ausführlichen Testlauf. Also erstmal alles wieder zusammenbauen. Den Bandlauf und die Köpfe noch einmal ordentlich mit Isopropanol gereinigt und die Köpfe und Führungsstifte im Bandlauf entmagnetisiert.

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Was soll ich sagen: es ist das beste Tapedeck, dass ich je hatte. Klanglich war nur das Eumig FL-900 (das 1000er hab ich leider noch nicht) in der Lage dem Revox Paroli zu bieten. Es hat eine wahnsinnig gute Auflösung und nach dem Abgleich klingen sowohl alte Bänder, als auch neue Aufnahmen sehr gut.

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